Hai-Maenner sind Herumtreiber

Männliche Weiße Haie durchstreifen die Weltmeere, während die Hai-Weibchen in ihren Heimatgewässern bleiben. über diese fast schon klischeehafte Rollenverteilung berichtet eine internationale Forschergruppe in der aktuellen Ausgabe des Magazins "Nature". Das Verhaltensmuster entspreche eher dem von Meeressäugern als dem von Fischen, so die Forscher. Es mache zudem deutlich, wie leicht lokale Haipopulationen ausgerottet werden könnten. Die Wissenschaftler um Andrew Martin von der University of Colorado in Boulder nahmen vor Südafrika, Australien und Neuseeland Gewebeproben von 95 Weißen Haien (Carcharodon carcharias). Dann analysierten sie Erbgutabschnitte sowohl aus dem Zellkern als auch aus den Zellkraftwerken, den Mitochondrien. Bei der Kern-DNA fanden die Forscher keine Unterschiede zwischen Haien aus verschiedenen Meeresregionen. Ganz anders dagegen bei dem Mitochondrien-Erbgut: Hier zeigten sich zwei deutlich voneinander abgegrenzte Gruppen, deren DNA-Sequenzen sich um bis zu vier Prozent unterschieden. Anscheinend gibt es keinen mitochondrialen Genaustausch zwischen den Haien Südafrikas und den Haien Australiens und Neuseelands. Da die Mitochondrien und ihr Erbgut nur mütterlicherseits vererbt werden, spricht dies für eine große Sesshaftigkeit der Weibchen. Für die Durchmischung der Zellkerngene sorgen allein die durch die Weltmeere stromernden Männchen. "Das Resultat war eine ziemliche Überraschung", sagt Martin. "Viele von uns hatten gedacht, dass sowohl Männchen als auch Weibchen weit umherstreifen. Die mitochondriale DNA spricht aber für eine deutliche Trennung - vermutlich vor zwei bis drei Millionen Jahren - der südafrikanischen Haie von denen Australiens und Neuseelands." "Dieser Befund kratzt am Monster-Image der Haie und rückt sie, was das Verhalten betrifft, in die Nähe von Meeressäugern", fährt Martin fort. Beide Gruppen hätten als Antwort auf die gleichen Herausforderungen ähnliche Strategien entwickelt. Der Weiße Hai ist durch kommerzielle und Sportfischerei in seinem Bestand bedroht. Schutzbemühungen sollten nun auch die Bedeutung regelrechter Brutreviere und die Verbindungen zwischen weit voneinander getrennten Populationen berücksichtigen, so Martin. "Ideal wäre eine weltweite Verknüpfung regionaler Bemühungen."

12.07.01 Quelle, MORGENWELT gibt es nur im Internet unter http://www.morgenwelt.de

 

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