Lungenfische: Kauen wie vor 350 Millionen Jahren

Wenn in heißen Sommern die Wasserstände in Seen sinken oder ganze Flüsse auszutrocknen drohen, wird es für Fische lebensgefährlich. Eine seltene Ordnung, die Lungenfische, kann der Gefahr jedoch vergleichsweise ruhig entgegensehen. Sie besitzen nämlich neben den Kiemen auch Lungen, die ihnen das Atmen über äußere Nasenlöcher erlauben. Bei Trockenheit umgeben sich die Fische mit einer Schleimkapsel und graben sich bis zum nächsten Regen ein. Nur drei Gattungen dieser Fische sind heute noch bekannt, die in Australien, Afrika und Südamerika vorkommen. Ihre Urahnen entwickelten sich schon im Devon vor über 350 Millionen Jahren und waren damals über die ganze Welt verbreitet. In wichtigen Details haben sie sich seitdem offenbar nicht weiterentwickelt: Ein britischer und ein kanadischer Forscher entdeckten jetzt bei vergleichenden Studien, dass die Zähne der heutigen australischen Gattung Neoceratodus mit denen der 360 Millionen Jahre alten Andreyevichthys identisch sind. Zum Vergleich wurden Fossilien aus Zentral-Russland analysiert. Beide Lungenfisch-Arten besitzen anstelle ihrer Vorderzähne als erwachsene Fische nur flächige Kauplatten. Die anfänglich noch vorhandenen "Milchzähne" fallen den Tieren in ihrer Jugend aus - und zwar immer beginnend mit einem einzelnen mittleren Zahn. Wie zum Trost wachsen dafür die hinteren Zähne das ganze Leben lang weiter, ohne jemals auszufallen. Bei alten Fischen stehen schließlich die kleinen Zähnchen dicht gedrängt in mehreren Reihen nebeneinander. Genau diesen seltsamen Zahnwechsel im Laufe des Lebens hat es schon vor 360 Millionen Jahre gegeben, schreiben die Forscher im Magazin "Nature". Vergleiche mit noch älteren Fischen lassen vermuten, dass sich das Prinzip im späten Devon herausgebildet hat. Seitdem ist die Zahn-Evolution der Lungenfische offenbar stehen geblieben. 31.05.01

 

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